Monday, 20th May 2019
20 Mai 2019

Alle 15 Sekunden ein Zug am Haus vorbei?

Eine Äußerung aus dem Bundesverkehrsministerium sorgt für Aufregung in Rheinland-Pfalz. Sie könnte das Aus für eine Bahn-Entlastungsstrecke im Mittelrheintal darstellen.

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MAINZ – Die rheinland-pfälzischen Landespolitiker haben Blutdruck. So steht die Entlastungsstrecke für das Bahnlärm-geplagte Mittelrheintal womöglich vor dem Aus. Nach einer Aussage aus dem Hause von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) muss sich auf der Schiene links und rechts des Rheins der Verkehr erst verzehnfachen, damit ein Neubau wirtschaftlich sei.

Starker Tobak für die hiesigen Politiker, die seit Jahren darum kämpfen, dass das „Tal“ entlastet wird. Die Bürgerinitiativen vor Ort haben mal nachgerechnet: Statt 500 bis 600 Züge am Tag (Prognose für 2030) würde das 5 000 bis 6 000 Züge am Tag bedeuten. Alle 15 Sekunden würde dann ein Zug durch die Idylle brettern. Kommt nun der große Schulterschluss der Demokraten in Rheinland-Pfalz im Kampf gegen Bahnlärm? Weit gefehlt. Eine gemeinsame Resolution aller Parteien im Mainzer Landtag wird es nicht geben. Eine solche Resolution hatte CDU-Fraktionschef Christian Baldauf vorgeschlagen. Die AfD hatte Bereitschaft signalisiert mitzumachen. Doch die Koalitionsfraktionen aus SPD, FDP und Grünen wollen in dieser Woche einen eigenen Antrag in den Landtag einbringen. Tenor: Das Mittelrheintal solle von Lärm entlastet und die Alternativtrasse realisiert werden. 450 Züge würden täglich durch das Tal donnern, heißt es in dem Antrag. „Spitzenpegel bis über 100 Dezibel führen zu ständigen Schlafstörungen und erschöpfen die körperlichen Reserven.“ FDP-Fraktionschefin Cornelia Willius-Senzer hat sich das selbst angeschaut: „Da wackelt jedes Mal das Haus, da kommen die Risse“, berichtet die Liberale. Die Äußerungen aus dem Scheuer-Ministerium seien „nicht hinnehmbar“. Willius-Senzer forderte eine rasche Machbarkeitsstudie für die Alternativtrasse. Mit CDU und CSU sei „keine vernünftige Infrastrukturpolitik zu machen“.

Grüne: Das ist Hohn und Spott für die Menschen

Starke Worte findet auch die Grüne Pia Schellhammer. Für die Menschen an den Bahnstrecken bedeuteten die jüngsten Aussagen „Hohn und Spott“. In ihrem Antrag setzen sich die Ampelfraktionen für die rechtsrheinische Entlastungsstrecke Troisdorf (bei Köln) bis Mainz-Bischofsheim ein. Die Strecke Hagen/Köln-Siegen-Gießen-Hanau soll ertüchtigt werden.

SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer sieht bereits den „Todesstoß für alle Planungen“, beharre der Bund auf seinen Aussagen. Die CDU müsse sich vom eigenen Minister distanzieren. Im übrigen könnten Baldauf und Co. den Antrag der Ampel jederzeit mittragen, sagt Schweitzer auf die Frage, warum das Parlament keine gemeinsame Position finde.

Schon kommt als Forderung wieder auf, nächtliche Fahrverbote oder ein Tempolimit auf der Schiene am Mittelrhein zu erlassen. Doch das dürfte sich nur schwer umsetzen lassen. Das Tal ist bereits jetzt ein Nadelöhr aus Sicht der Bahn.

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