Monday, 10th December 2018
10 Dezember 2018

Was Sie über fließendes Wasser wissen müssen

Römer und Briten wussten, dass kein Imperium ohne Frischwasser bestehen kann: Aquädukt und Water Closet, Kanalisation und Talsperre definieren das Abendland. Deutsche trugen ihren Teil dazu bei. 0

Das Abendland ist auf Wasser gebaut. Genauer gesagt: Auf dem Wissen um Frischwasserzufuhr und Abwasserbeseitigung. In der Kölner Altstadt kann man bis heute unterirdische Abwasserkanäle aus römischer Zeit besichtigen, und in Damaskus ist die Kanalisation der Römer, dieser Väter des Abendlands, sogar noch im Gebrauch.

Wer dauerhafte Reiche errichten will, muss das Wasserproblem lösen. Angkor Wat, die weltwunderbare Tempelanlage der Khmer, ist durch die Versandung der Bewässerungsanlagen zugrunde gegangen.

Römische Städte konnten so groß werden und so lange existieren, weil die Römer mit ihrem praktischen Geist die Kunst des Wassermanagements perfektionierten. Ihre Aquädukte, über die sie Hunderte von Kilometer weit frisches Wasser herbeischafften, übertrafen alles, was es zuvor im Nahen Osten, in China und Griechenland gegeben hatte.

Die Leitungen nutzten das natürliche Gefälle aus. In Rom selbst wurde das Wasser dann schon wie heute über Druckleitungen verteilt.

Die Cloaca Maxima in der Metropole ist die Mutter aller Kanalisationen. Und in römischen Städten gab es dank des fließenden Wassers nicht nur öffentliche Bäder, sondern bereits sogar Klos mit dauerhafter Wasserspülung.

Den nächsten abendländischen Bewässerungsschub brachten zwei Großreiche der Neuzeit. Wien war schon 1739 als erste Stadt Europas vollständig kanalisiert. Der 1842 begonnene und nach dem „Großen Gestank“ („The Big Stink“) von 1858 beschleunigte Ausbau der Londoner Kanalisation wurde zum Vorbild für ganz Europa.

Englische Wasserbauingenieure waren die Römer des 19. Jahrhunderts. Nach dem „Großen Brand“, der wegen Löschwassermangel zur Katastrophe wurde, auch in Hamburg. Am 29. November 1842 begann der Londoner Ingenieur William Lindley die Bauarbeiten an den Großen Bleichen.

Der mittlere Pfauenteich

Bereits im Mittelalter hatten die Europäer bemerkt, dass man fließendes, zuvor aufgestautes Wasser als Energiequelle nicht nur für die sprichwörtlich klappernde Mühle am rauschenden Bach nutzen konnte, sondern auch für den Antrieb quasi-industrieller Anlagen.

Der mittlere Pfauenteich im Harz entstand 1298 und ist die älteste Talsperre Deutschlands. Die Talsperren des Oberharzer Wasserregals dienten dem Bergbau, auf dem Deutschland lange weltweit führend war.

Sie trieben Wasserräder an, die wiederum das Wasser aus den tiefen Schächten herauspumpten. Heute sind sie Weltkulturerbe.

1880 bauten dann wieder die Engländer das erste Wasserkraftwerk, das elektrischen Strom erzeugte. Die Elektrifizierung Europas und Amerikas ist ohne Wasser nicht denkbar. Der Bau der großen Staudämme ist eine wahre Heldensaga des Industriezeitalters.

Der Wasserhahn als nationales Symbol

Und natürlich waren es auch Briten, die das Water Closet mit Handspülung erfanden, das Proust in der „Recherche“ noch als das neue Ding aus England beiläufig erwähnt und dem wir unsere deutschen Wörter WC, Klosett oder Klo verdanken. Sir John Harrington, der als sein Erfinder gilt, installierte schon um 1600 eins im Palast von Königin Elizabeth I.

Die industrielle Massenproduktion wurde aber erst möglich, nachdem der schottische Uhrmacher Alexander Cumming sich 1775 das S-Rohr, das die Rückkehr übler Gerüchte verhindert, patentieren lassen hatte.

Der englische Erfinder Joseph Bramah perfektionierte dessen Konstruktion und verbesserte das System des Spültanks. Thomas William Twyford erfand schließlich um 1870 die aus einem Stück bestehende Keramiktoilette.

Wenn man weiß, wieviel Epochales Engländer auf dem Gebiet des fließenden Wasser erfunden haben, wird verständlicher, warum sie ihre speziellen Wasserhähne für ein nationales Symbol erachten.

Geht das Abendland unter? Für alle Fälle stellen wir in dieser Serie noch einmal seine Zutaten vor. Alle Folgen auf welt.de/abendland.

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